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Projekt

Ziel des Projektes EMRA ist der Aufbau eines Systems, das Acker- und Obstbauern bzw. Ackerbau- und Obstbauberater beim kurz- bis langfristigen Management von Extremwetterlagen  und -ereignissen  unterstützt.

EMRA soll als Online-Werkzeug im Rahmen eines dreijährigen Projektes anhand von Modellregionen und Kulturen (Apfel in Norddeutschland und Winterweizen in der Uckermark) entwickelt werden, den Nutzern langfristig (auch nach Ablauf der Projektlaufzeit) hilfreiche und derzeit fehlende Information und Daten bereitstellen und so Entscheidungen im Managementprozess unterstützen. Dazu gehören beispielsweise schlag- bzw. betriebsspezifische Übersichten zum Auftreten von historischen und aktuellen Extremwetterlagen/ Extremwetterereignissen oder im Projekt entwickelte Warnmeldungen. Dabei werden relevante Wetter-, Boden- und Anbaudaten zu schlagspezifischen Hinweisen verknüpft und Nutzern in Form von Karten und Kennzahlen individualisiert bereitstellt.

Eine wichtige Basis dafür ist die Einrichtung eines Extremwettermonitorings, das heißt eines Meldesystems für das Auftreten von Extremwetterschäden. Da derzeit noch keinerlei systematische Erfassung zum Auftreten von Extremwetterlagen und Extremwetterereignissen und dadurch entstanden Schäden in der Landwirtschaft in Deutschland existiert, sind viele Kausalzusammenhänge noch sehr vage oder gar unbekannt, was eine Abschätzung zukünftiger Risiken erheblich erschwert.

EMRA ist als Pilotprojekt angelegt, in dem sich zunächst die Auswirkungen von Extremwetterlagen/ Extremwetterereignissen auf die Ackerfrucht Winterweizen und die Sonderkultur Apfel in den beiden Modellregionen analysiert werden. Bei einem erfolgreichen Projektverlauf kann davon ausgegangen werden, dass die in den Testbetrieben entwickelten Methoden auf andere Ackerfrüchte und Regionen übertragen werden. In jedem Fall haben alle beteiligten Testbetriebe auch nach Ende des Projektes Zugang zu EMRA sowie zu allen relevanten Informationsportalen und -veranstaltungen. Dadurch stehen ihnen auch langfristig Informationen zu den neuesten Forschungsergebnissen und -aktivitäten im Bereich Extremwettermanagement zur Verfügung.

Projekt

EMRA-Aktivitäten

Vortrag auf dem 2. Earth Observation-Symposium "Neue Perspektiven der Erdbeobachtung" 

Auf dem von der Deutschen Luft- und Raumfahrtagentur organsierten Symposium hatte das EMRA-Projekt am 13.11.2019 in Köln die Möglichkeit, den Vortrag Ableitung phasenspezi scher und ereignisbezogener
Vegetationsindizes auf der Grundlage von phänologischen Flächendaten und Satellitenbildindex-Zeitreihen zu präsentieren.

Vortrag auf der IALE-DE-Jahrestagung 2019

Die Jahrestagung der deutsche Sektion der Vereinigung International Association for Landscape Ecology stand in diesem Jahr unter den Motto "Landschaft im Klimaschutz". EMRA war in Potsdam am 30.9.2019 mit dem Vortrag EMRA: ExtremwetterMonitoring und RisikoAbschätzung in der Landwirtschaft vertreten.

Weiterbildung zum Erosionsschutz...

...war das Thema einer Veranstaltung des Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz des Freistaats Thüringen im Rahmen des vom Freistaat Thüringen geförderten Projektes "Fachberatung Gewässerschutz zur Senkung der Nitrat- und Phosphoreinträge in Gewässer" zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in Thüringen. Hierzu trug EMRA mit dem Vortrag "Identifikation von Wassererosion in EMRA - einem Tool zur Entscheidungshilfe im Extremwettermanagement - Überblick und Lösungsbeispiel" bei.


Beitrag zur Tagung der deutschen Bodenkundlichen Geselschaft in Bern

EMRA hat auf der Jahrestagung der deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft in Bern am 26. bis 28.August 2019 die Poster Spatio-Temporal Modeling and Monitoring of Extreme Weather Events and Conditions und Identifikation von Erosionsereignissen in Luftbildern aus der Kombination von RADOLAN, DGM und der Karte der Potentiellen Erosionsgefährdung präsentiert.


Vortrag bei der FAO

Das EMRA-Projekt hatte die Möglichkeit, den Vortrag Spatio-temporal monitoring of soil erosion events auf der FAO-Veranstaltung Global Symposium on Soil Erosion vorzustellen.


EMRA-Vorträge auf der EGU

Vom 8. bis 12. April 2019 fand die diesjährige Konferenz der European Geosciences Union (EGU) in Wien statt. Das EMRA-Projekt war mit den beiden Vorträgen EMRA: A tool for agricultural Extreme weather Monitoring and Risk Assessment und Spatio-temporal detection of agricultural parcels affected by soil erosion vertreten.


EMRA-Umfrage

Nur noch bis zum 31.12.18 läuft unsere Umfrage! Wir laden alle Landwirte in Deutschland ein, sich an einer Befragung von Landwirten zur Relevanz von Extremwetterlagen in der Kulturpflanzenproduktion in Deutschland und zum Beratungsbedarf der Produzenten zu beteiligen. Landwirte können an der Umfrage auf dem Webportal über https://soscisurvey.de/emra teilnehmen.


Gartenbautag Mecklenburg Vorpommern

EMRA hat auf dem Gartenbautag Mecklenburg-Vorpommern 2018  in Güstrow am 5. Dezember 2018 einen Vortrag präsentiert.


EMRA in China

Im Rahmen der 4. Deutsch-Chinesischen Agrarwoche vom 24. bis 29.11.2018 in Peking bestand die Möglichkeit, das EMRA-Projekt chinesischen Kollegen mit einem Vortrag vorzustellen.


Vortrag auf der ESA-Phi-Week

Die Europäischen Raumfahrtagentur (ESA-ESRIN) war vom 12.11. bis 16.112018 der Gastgeber Veranstaltung ESA-Phi-Week, die auf aktuelle Entwicklungen der Satelliten-basierten Erdbeobachtung, Datenmonitoring und Datenanalyse zielte. Das EMRA-Projekt war mit einem einem Vortrag vertreten.


Wissen was kommt - BEVOR es kommt.

So lautet das Motto von EMRA und der Titel der Vortragsveranstaltung LANDREISEN 2018, die am Abend des 29.11.2018 im Außerschulischen Lernort  bei der MBA Linkenbach im Landkreis Neuwied stattfand.  EMRA Projektpartner von DELPHI und dem JKI stellten das Projekt und den Prototyp des Webtools vor einer interessierten Zuhörerschaft vor. Anschließend gab es eine sehr angeregte Diskussion zwischen den Projektvertretern und dem Publikum, vornehmlich Landwirten aus dem Westerwald.


EMRA auf einer Konferenz in den Niederlanden

Vom 05. bis 07. November waren undsere Projektpartner vom ZALF zu Gast in Wageningen in den Niederlanden. Auf der Veranstaltung 2nd International Soil Modeling Consortium Conference: New Perspectives on Soil Models präsentierten sie ein Poster: RADOLAN - a radar-based tool for the retrospective analysis of extreme erosion events. Den Abstract hierzu finden Sie hier.


Vortrag während der BLE-Innovationstage 2018

Das EMRA-Projekt konnte sich am 22. und 23. Oktober 2018 auf den BLE-Innovationstagen 2018 "Innovative Ideen - smarte Produkte" mit einem Vortrag in der präsentieren. 


Vortrag auf der internationalen Konferenz "Natural Hazards and Risks in a Changing World"

Zu der International Conference on "Natural Hazards and Risks in a Changing World" an der Universität Potsdam am 04. bis 05. Oktober 2018 trug EMRA einen Vortrag bei mit dem Titel: EMRA: A Decision support system for monitoring, warning and risk assessment of weather extremes for agriculture. Die Abstracts zu der Konferenz finden Sie hier.


Poster auf der GPW-Jahrestagung

Auf der 61. Jahrestagung der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften e.V. vom 25. bis 27.9.2018 in Kiel wurde das Poster  A framework for standardized calculation of weather indices in Germany präsentiert.


EMRA bei dem Arbeitskreis Naturgefahren/-risiken

Am 20.09.2018 fand in Berlin ein Treffen des AK Naturgefahren/-risiken der Deutschen Gesellschaft für Geographie statt. Auch hier war EMRA mit einem Vortrag im Block zu Landwirtschaft vertreten.


EMRA-Beiträge auf der Pflanzenschutztagung 2018

Vom 11. bis 14.9.2018 fand in Hohenheim bei Stuttgart die 61. Deutsche Pflanzenschutztagung statt. Hier stellte sich das EMRA-Projekt in einem Vortrag und mit einem Poster (Extremwetterereignisse im Ackerbau. Status quo und Bedarf von Betrieben in Brandenburg) vor.


EMRA veröffentlicht einen wissenschaftlichen Artikel

Der Artikel A framework for standardized calculation of weather indices in Germany ist in der Zeitschrift Theoretical and Applied Climatology. Die Publikation beschreibt das von EMRA verfolgte Konzept der Ableitung von dynamischen Wetterindizes.


EMRA-Beiträge auf der 11. Deutsche Klimatagung 2018

Vom 5. bis 9.3. fand in Frankfurt (Main) die 11. Deutsche Klimatagung statt . Themenschwerpunkt war "Fernerkundung und Klima". Im Mittelpunkt stand die Nutzung von Satelliteninformationen der Agentur EUMETSAT für die Ableitung regionaler und globaler Zeitreihen klimarelevanter Parameter. Das EMRA-Projekt war mit den beiden Postern Nutzung von RADOLAN zur retrospektiven Analyse von
Erosionsereignissen
 (ZALF) und Schlagspezifische und dynamische Bodenbedeckung auf der Grundlage von phänologischen Flächendaten undSatellitenbildindex-Zeitreihen (JKI) vertreten.


Pesseinformation zur Umfrage

Zu unserer Umfrage wurde eine Presseinformation veröffentlicht. Darin werden Produzenten sämtlicher land-, obst- und gartenbaulicher Freilandkulturen in ganz Deutschland gebeten, bis Ende 2018 an einer Umfrage auf dem Webportal https://soscisurvey.de/emra/ teilzunehmen. P.S. Die Umfrage ist geschlossen. Vielen Dank an alle Teilnehmer.


EMRA-Umfrage auf der Internationale Grüne Woche 2018

Vom 18. Bis 27. Januar 2018 wurde auf der Internationalen Grünen Woche das vom Julius Kühn-Institut (JKI) koordinierte Forschungsprojekt EMRA vorgestellt. Die Grüne Woche war gleichzeitig der Auftakt einer Befragung von Landwirten zur Relevanz von Extremwetterlagen in der Kulturpflanzenproduktion in Deutschland und zum Beratungsbedarf der Produzenten. Landwirte können hier an der Umfrage teilnehmen.

EMRA-Aktivitäten

Der Trockensommer 2018

Das Jahr 2018 war aus meteorologischer Sicht ein außergewöhnliches Jahr mit vielen Rekorden. Mit 2020 Sonnenstunden, einer Durchschnittstemperatur von 10,4°C (im Vergleich zu 8,2°C der Referenzperiode 1961-1990) und 590 l/m² Niederschlag anstelle von 789 l/m² (= 75% des Niederschlag-Klimawertes) zählte 2018 zu den sonnigsten, wärmsten und niederschlagsärmsten Jahren seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnung.
Der meteorologische Sommer (Juni -August) war nach 2003 der zweitwärmste Sommer seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen in 1881. Mit 19,3°C waren die Sommermonate 3°C wärmer als die des langjährigen Mittels von 1961-1990. Das kontinuierlich blockierende Hochdruckgebiet über Nordeuropa führte kontinentale warme und trockene Luft nach Deutschland und hielt atlantische Tiefs mit kühler und feuchter Luft ab. Deutschlandweit gab es von April bis August 2018 ein Niederschlagsdefizit von 150 mm. Noch trockenere Bedingungen gab es nur 1911 mit einem Niederschlagsdefizit von 160 mm im Zeitraum April bis August. Das Ausbleiben der Niederschläge 2018 hatte starke Auswirkungen auf die Bodenfeuchte. Gestartet mit feuchten Böden im Januar 2018, fielen im Juli und August die Werte vielerorts unter den für Weizen kritischen Bereich von 50 bis 60% nutzbarer Feldkapazität [%nFK]. Die schwierige Bodenfeuchtesituation wird am Beispiel von Weizen am 01. Juli und 01. August 2018 in Abbildung 1 sichtbar.

Bodenfeuchte Trockensommer 2018

Abbildung 1: Berechnete Bodenfeuchte [%nFK] für Weizen unter Verwendung der
                       Böden der BÜK1000, links: 01. Juli 2018, rechts: 01. August 2018.

 

Ein konkretes Beispiel des ausgeprägten Sommers 2018 waren Sandstürme, welche am 31.08.2018 in der Uckermark und in Mecklenburg-Vorpommern mehrfach beobachtet wurden. Es traten Windgeschwindigkeiten von fast 15 m/s (? Windstärke 7) auf (Abb. 2), welche starken bis steifen Wind bedeuteten. Die Kombination aus hohen Windgeschwindigkeiten und trockenen Böden begünstigte das Auftreten von Sandstürmen. Kritisch war unter solch hohen Windgeschwindigkeiten auch das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln. Weitere Informationen zum Sommer 2018 finden Sie in dem Bericht "2018 wärmster Sommer im Norden und Osten Deutschlands" (siehe unten) vom DWD.

Windmax

Abbildung 2: Tagesmaximum der Windgeschwindigkeit [m/s] in 10m Höhe am 31.08.2018

Der Trockensommer 2018

Auswirkungen von Extremwetter auf die Landwirtschaft

Sowohl der Synthesis Report des 5th Assessment Report (IPCC, 2014) als auch der Special Report on Extreme Weather Events (IPCC, 2012) des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) prognostizieren maßgebliche Veränderungen des Klimas für nahezu alle Breitengrade innerhalb der nächsten 100 Jahre. Dass sich die langfristigen klimatischen Änderungen und auch extreme Witterungsbedingungen direkt und indirekt auf die landwirtschaftliche Produktion auswirken werden, ist mittlerweile unumstritten (z.B. Ellinger 2008). Zwar können sich in einigen Fällen durch veränderte klimatische Rahmenbedingungen auch Vorteile, z.B. eine Ausweitung der Anbauregionen, ergeben, allerdings stellt das hohe Risiko für stärker schwankende Erträge bzw. sogar komplette Ertragsausfälle, insbesondere durch Extreme, die Landwirtschaft vor große zukünftige Herausforderungen.

Apfel-Strumwurf

Abbildung 1: Sturmwurf in einer Apfelplantage. Foto: Wiebusch (OVR)

Besonders im Bereich der Temperaturen können bereits sehr verlässliche und genaue Angaben über die erwarteten Veränderungen getroffen werden. So wird für Zentraleuropa mit einem Anstieg der Temperatur zwischen 1 °C (RCP-Szenario 2.6) bis 5 °C (RCP-Szenario 8.5) bis zur Periode 2081-2100 gerechnet (vgl. 1986-2005), was über dem global erwarteten Anstieg liegt. Für Nordeuropa gehen die Forscher von einem stärkeren Anstieg der Temperaturen im Winterhalbjahr sowie der Tagesminimumtemperaturen im Vergleich zu den entsprechenden Tagesmaxima aus. Darauf basierend wird es zu geringeren Schwankungen innerhalb der Tagestemperaturen kommen und zu einer Verlängerung der Vegetationsperiode sowie einem früheren Eintritt der Kulturpflanzen in die entsprechenden Entwicklungsstadien. So konnten beispielsweise Racca et al. (2012) in Berechnungen mit dem Modell SIMONTO und unter Verwendung von Projektionsdaten des Klimamodells REMO ein signifikant früheres Auftreten der Entwicklungsstadien des Winterweizens bis 2100 berechnen. Aber auch im Sonderkulturanbau zeigen sich erhebliche Tendenzen zu einem früheren Vegetationsbeginn, insbesondere für Dauerkulturen wie Apfel und Wein. So konnte zum Beispiel am Standort Neustadt/Weinstraße ein um 11 Tage verfrühter Austrieb der Rebsorte Riesling seit 1976 verzeichnet werden, Tendenz weiter anhaltend (Oberhofer, 2012). Die oben genannten Berichte des IPCC (IPCC, 2012; IPCC, 2014) prognostizieren darüber hinaus mit ein intensiveres, häufigeres und länger anhaltendes Auftreten von Hitzewellen. Auch ein Anstieg der Intensität der Solarstrahlung und somit das Risiko für das Auftreten von Sonnenbrandschäden, welche bereits in den vergangenen Jahren an einer Vielzahl an Kulturen verstärkt beobachtet werden (u.a. Yuri et al., 2004; Wagner, 2010), wird prophezeit.
Die Vorhersagen in Bezug auf die zu erwartenden Veränderungen bei den Niederschlägen sind im direkten Vergleich zu den temperaturbezogenen Aussagen mit etwas geringeren Wahrscheinlichkeiten belegt. Dennoch zeichnen sich auch hier bereits heute einige signifikante Trends ab, die sich laut aktueller Klimaprojektionen für die Zukunft fortschreiben lassen. Es wird für Zentraleuropa von einem Anstieg der Niederschlagsmengen im Winterhalbjahr und einer Abnahme der Niederschläge im Sommerhalbjahr ausgegangen. Damit kann das Risiko für Staunässe im Winter und das Risiko für Dürre ? und Trockenstressphasen im Sommerhalbjahr steigen. Die Häufigkeit der Sommerniederschläge wird sinken, allerdings wird von einem Anstieg der Intensität einzelner Niederschlagsereignisse ausgegangen. Insbesondere im Sommerhalbjahr wird so die Gefahr für das Auftreten und entsprechender direkter und indirekter Schäden an den Kulturpflanzen durch Starkregenereignisse steigen.

WeizenStaunässe

Abbidung 2: Vernässung nach Starkregen auf einem Weizenfeld. Foto: Niessner (ZALF)

Die Projektionen zu Windgeschwindigkeiten, Hagel und dem Risiko von Stürmen fallen derzeit noch schwer bzw. können im Falle von Hagel aufgrund fehlender Informationen nicht aus den Daten der Klimamodelle abgeleitet werden. Eine Zunahme der maximalen Windgeschwindigkeiten und der Häufigkeit von Stürmen gilt dennoch als wahrscheinlicher als eine Abnahme.
Es wird auch von einer Abnahme der Tage mit geschlossener Schneedecke ausgegangen. Insbesondere durch hohe Herbst- und Wintertemperaturen weit entwickelte Bestände können im Falle zwar seltener starker Frostereignisse in der zweiten Winterhälfte und Frühjahr geschädigt werden.
Bisher lag der Schwerpunkt der Forschung zur Wirkung des Klimawandels auf Land- und Forstwirtschaft vor allem auf der Abschätzung der Wirkung der sich langfristig ändernden Klimaparameter, wie dem Anstieg der Temperatur und der Abnahme der Niederschlagsmengen im Sommerhalbjahr. Es besteht noch erheblicher Forschungsbedarf, um eine Abschätzung über die zukünftige Relevanz, die Risiken und Auswirkungen der projizierten Änderungen von Wetterextremen für die Land- und Forstwirtschaft durchführen zu können (van Oort et al., 2012).
Die Erkenntnisse zur Wirkung von Extremwetterereignissen auf land- und forstwirtschaftliche Kulturen basieren derzeit vorrangig auf Erfahrungswerten. Erst einige wenige Studien haben sich - oft theoretisch bzw. modellbasiert - mit Methoden des Monitorings und Risikomanagements von Extremwetterlagen in der Landwirtschaft beschäftigt (u.a. Maracchi et al., 2005; Gehrke, 2007).
Das Schadenspotential einer Extremwetterlage für die Kultur hängt erheblich von der betrachteten Kultur selbst, kulturtechnischen Faktoren wie der Bodenbearbeitung, der Anlagengestaltung, der Erziehungsform oder der Sortenwahl, dem Zeitpunkt des Auftretens, dem Vorhandensein direkter und indirekter Abwehrmaßnahmen sowie dem Standort ab. So können beispielsweise die Ausrichtung der Reihen einer Obstanlage zur Hauptwindrichtung, der Entwicklungsstand der Pflanzen oder morphologische Eigenschaften wie die Schalenfestigkeit von Obstsorten einen Einfluss auf den Grad der Schädigung von Hagelereignissen haben (u.a. Friedrich, 1993; Fischer et al., 2002; Bauer et al., 2008; Müller et al., 2008; Hoppmann, 2010; König, 2014). Der Zeitpunkt des Austriebs von Obstgehölzen, der maßgeblich von Sorteneigenschaften bestimmt wird, kann das Schadausmaß von Spätfrösten beeinflussen (z.B. Link, 2002). Auch im Ackerbau sind solche Zusammenhänge, beispielsweise in Hinblick auf die Toleranz gegenüber Trockenstress- und Hitzephasen, bekannt (z.B. Lütke Entrup & Oehmichen, 2000; Lüttger et al., 2005; Wechsung et al., 2008; Lüttger et al., 2011; Schönberger, 2011; Ehlers, 2013).

Hagelschaden

Abbildung 3: Hagelschaden an Apfelblüten. Foto: Wiebusch (OVR)

Das von 2013 bis 2015 gelaufene, vom BMEL geförderte Verbundprojekt ?Agrarrelevante Extremwetterlagen und Möglichkeiten des Risikomanagements" (http://www.agrarrelevante-extremwetterlagen.de/; Gömann et al., 2015) analysierte erstmalig in so umfangreicher und interdisziplinärer Art die derzeitige und zukünftige Relevanz von Extremwetterlagen wie Dürre, Hagel, Hitze, Staunässe, Frost und Starkregen sowie ihre Auswirkungen als Risikofaktoren für die deutsche Land- und Forstwirtschaft. Die Untersuchungen im Rahmen des Projektes zeigten, dass in allen untersuchten acker-, garten-, obst- und forstbaulichen Kulturen das Auftreten von Extremwetterlagen binnen Stunden, Tagen oder weniger Wochen direkt oder indirekt mit teilweise empfindlichen Ertrags- und Qualitätsverlusten bis hin zu Totalausfällen einhergehen kann (Gömann et al. 2015; Krengel et al. 2015; Krengel et al. 2014a,b; Seidel 2014a,b). Darüber hinaus konnten zum Teil starke regionale Unterschiede in Hinblick auf die derzeitige und zukünftige Relevanz der einzelnen Extremwetterlagen nachgewiesen werden. So zeigte sich beispielsweise, dass vor allem für den Winterweizenanbau im ostdeutschen Raum das Risiko zu geringer Niederschläge und Bodenfeuchte (Trockenstress und Dürre) steigen wird, oder die Gefahr für Hitzestress in Süddeutschland bereits heute als auch in Zukunft deutlich höher ist als in Norddeutschland. Es wurde aber auch deutlich, dass Klimaprojektionen nur begrenzt aussagefähig sind und es zu Über- oder Unterschätzungen kommen kann. Beispielsweise wird die abnehmende Spätfrostwahrscheinlichkeit im Wein- und Apfelanbau durch einen bereits heute messbar früheren Vegetationsbeginn abgeschwächt oder sogar aufgehoben.

Im Folgenden werden auf

einzeln eingegangen und weiterführende Informationen, etwa zu Wetter und Klimaberichte und Broschüren zu Extremwetter und seinen Auswirkungen von unseren Projektüartnern DWD und ZALFverlinkt.

 

Literatur zu diesem Artikel

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  • Krengel, S.; Krauthausen, H.-J.; Louis, F., Freier, B. (2014b): Relevance of extreme weather events to specialty crops. 7. Nachwuchswissenschaftlerforum 2014, 26.-28.11.2014 in Quedlinburg ? Abstracts. Berichte aus dem Julius Kühn-Institut 177: 14.
  • Krengel, S.; Krauthausen, H.-J.; Louis, F., Freier, B. (2015): Wie Wetter-Extreme den Gemüsebau bedrohen. Gemüse 2: 16-20.
  • König, S. (2014): Bedeutung von Extremwetterlagen für den Obstanbau an der ?Niederelbe", Hochschule Osnabrück. Bachelor-Thesis.
  • Link, H. (2002): Lucas' Anleitung zum Obstbau, 448 S.
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  • Yuri, J.A. ; Lepe, V.; Moggia, C.; Bastias, R.; Quilamapu, I. & Bertschinger, L. (2004): Sonnenbrand beim Apfel. Obst- und Weinbau 140 (8): 7-10.

 

 

 

Auswirkungen von Extremwetter auf die Landwirtschaft
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